Soweit ich mich zurückerinnere, war ich anders als andere Jungen bzw. Männer.
Ich lernte erst spät Fahrrad zu fahren, alle Jungs in der Nachbarschaft hatten schon ihr Fahrrad und fuhren auch damit. Mein Klappfahrrad stand schon seit einiger Zeit in unserer Garage. Gefahren bin ich immer noch mit meinem roten luftbereiften Roller, hatte natürlich Schwierigkeit, mit den anderen mitzuhalten. Daher fuhr ich nur im Dorf, in der Nähe unserer Wohnung.

In der Schule war ich meist allein. Ich versuchte, mich zwar anzuschließen, was mir aber nicht gelang. Überwiegend dann nur bei Mitschülern, die keiner richtig ernst nahm. Meine Klassenkameraden waren im Fußballverein oder in der AG Kegeln, ich war in der Arbeitsgemeinschaft Elektrotechnik, weil mein Vater da den Ton angab. Ich war ein Einzelgänger, in der Abschlusszeitung der 10. Klasse stand ein Satz über mich und den habe ich mal in der 9. Klasse im Biologieunterricht von mir gegeben. Damit möchte ich nur sagen, dass ich zwar 10 Jahre in die Schule gegangen bin, aber meine 20 Mitschülerinnen und Mitschüler mich auf einen gesagten Satz fokussierten. Das ist schon traurig, ich empfand es damals nicht so heftig wie heute.
Ich war sehr schüchtern, traute mich nicht ein Mädchen anzusprechen. In meiner Klasse waren 2, 3 Mädchen, die mir gefielen, Sabine M., Kathrin E. und Kirsten Sch., Letztere hatte es mir ganz besonders angetan, ich weiß nicht warum, waren es die langen Haare, die strahlende Aura oder weil ich im Russischunterricht im Raum 16 neben ihr saß. Ich denke mal, sie hat mich nicht wahrgenommen, warum auch, ich war extremst schüchtern, sie sehr selbstbewusst.
Ich hatte mir als Jugendlicher eine Art Tagebuch gebaut, mit den Dingen, welche ich machen wollte, da stand auch Kirsten drin, ich wollte ihr während des Unterrichtes einen Zettel in ihrer Parka tun, mit der Bitte um ein Treffen. Ich glaube, ich habe es nicht getan. Auf jeden Fall habe ich sie nie getroffen und konnte ihr nie sagen „Ich mag Dich“.
Die Lehre verlief ebenso, Einzelheiten findet ihr in einem anderen Teil hier auf den Seiten.
Bin viel mit meinem Motorrad einer MZ TS 150 durch die Gegend gefahren, bin zu Volksfesten gegangen, allein immer allein. Dort stand ich einfach so herum und bin dann wieder weg. Ich habe Angst gehabt, nur mal ein Mädchen anzusprechen. Es hat mich bestimmt sehr belastet, was ich damals nicht so empfand. Meine erste Freundin, Elke N. habe ich 1987 in Schleusingen kennengelernt. Ich war 20, sie 22, das hat bis 2002 mehr oder weniger gut gehalten. Getrennt hatte sie sich von mir, weil sie meine Macken (Ich verlor immer mal wieder meine Arbeit) nicht aushielt, das war 1997, danach hatten wir getrennte Wohnungen und trafen uns mal zum Kaffeetrinken oder sonntags zum Essen, sie konnte super kochen 😉
Welche Eigenschaften machen mich im Vergleich zu Männern ohne KS „anders“
- ich nehme alles so auf, wie es gesagt wird, ich kann nicht unterscheiden, ob das Gesagte ernst gemeint, Spaß oder gar Sarkasmus ist. Dadurch entstehen immer wieder Missverständnissen und unangenehme Situationen,
- kein hohes Selbstvertrauen, das hat sich meines Erachtens mit der Testosterontherapie ins Positive verändert,
- Emotionen bei mir selbst und auch bei meinem Gegenüber kann ich nicht richtig erfassen und interpretieren. Da kommt es vor allem im Job immer wieder zu Missverständnissen,
- besondere Leidenschaft für Details,
- Wortfindungsprobleme,
- Einschränkung der Leistungs- und Merkfähigkeit, die Übertragung vom Kurz- ins Langzeitgedächtnis dauert länger,
- Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörung, kann mich nicht auf eine Sache konzentrieren, wenn ich mit irgendwas (Lärm) abgelenkt werde,
Sicher gibt es noch ein paar andere Dinge, aber das sind die wichtigsten.
Ich war und bin gern allein, nicht immer. Oft fehlen mir auch Freunde, welche sich mit meinem Wesen auskennen und wissen, wie ich ticke.
Auch geschuldet meinem KS sind Kollegen manchmal Freunde, aber meist genauso schnell weg wie die Arbeitsstelle. Ich habe nicht den Drang, mich um diese Menschen zu kümmern, wenn ich sie nicht mehr täglich sehe. Ich finde dies selbst schade, aber kann da nicht aus meiner KS-Haut.
