Soweit ich mich zurückerinnere, war ich anders als andere Jungen bzw. Männer.
Kindheit und erste Unterschiede
Ich habe erst spät Fahrradfahren gelernt. Während alle Jungs in der Nachbarschaft längst mit ihren Rädern unterwegs waren, stand mein Klappfahrrad schon eine ganze Weile ungenutzt in unserer Garage. Stattdessen fuhr ich weiterhin mit meinem roten, luftbereiften Roller herum. Natürlich konnte ich mit den anderen nicht mithalten. Deshalb blieb ich meist im Dorf, in der Nähe unserer Wohnung.

Schulzeit und Außenseitergefühl
In der Schule war ich überwiegend allein. Ich habe zwar versucht, Anschluss zu finden, aber es gelang mir nicht wirklich. Wenn überhaupt, dann eher bei Mitschülern, die selbst nicht richtig ernst genommen wurden.
Während viele meiner Klassenkameraden im Fußballverein waren oder zur Kegel-AG gingen, landete ich in der Arbeitsgemeinschaft Elektrotechnik – auch, weil mein Vater dort eine Rolle spielte. Ich war ein Einzelgänger.
Ein Erlebnis aus der Schulzeit ist mir besonders im Gedächtnis geblieben: In der Abschlusszeitung der 10. Klasse stand genau ein Satz über mich – ein Satz, den ich einmal im Biologieunterricht in der 9. Klasse gesagt hatte. Das zeigt, wie wenig greifbar ich für die anderen war. Damals habe ich das nicht so stark empfunden wie heute. Heute wirkt es traurig auf mich.
Schüchternheit und erste Gefühle
Ich war sehr schüchtern und hatte große Schwierigkeiten, auf Mädchen zuzugehen. Dabei gab es durchaus welche, die ich mochte – Sabine, Kathrin und vor allem Kirsten.
Kirsten hatte es mir besonders angetan. Ich weiß bis heute nicht genau warum. Vielleicht waren es ihre langen Haare, ihre Ausstrahlung oder einfach die Tatsache, dass ich im Russischunterricht neben ihr saß. Sie war selbstbewusst – ich war das genaue Gegenteil. Vermutlich hat sie mich kaum wahrgenommen.
Als Jugendlicher führte ich eine Art Tagebuch, in dem ich Dinge festhielt, die ich tun wollte. Auch Kirsten tauchte darin auf. Ich hatte mir vorgenommen, ihr im Unterricht einen Zettel in den Parka zu stecken und sie um ein Treffen zu bitten.
Ich glaube, ich habe es nie getan.
Ich habe sie nie getroffen und konnte ihr nie sagen: „Ich mag dich.“
Jugendzeit und Einsamkeit
Auch während meiner Lehre setzte sich dieses Muster fort.
Ich war viel mit meinem Motorrad unterwegs, einer MZ TS 150, fuhr zu Volksfesten – aber immer allein. Dort stand ich oft einfach nur herum, ohne wirklich dazuzugehören, und ging irgendwann wieder nach Hause.
Ich hatte große Angst davor, auch nur ein Mädchen anzusprechen. Rückblickend denke ich, dass mich das stark belastet hat, auch wenn ich es damals nicht bewusst so wahrgenommen habe.
Erste Beziehung
Meine erste Freundin, Elke, lernte ich 1987 in Schleusingen kennen. Ich war 20, sie 22.
Unsere Beziehung hielt – mit Höhen und Tiefen – bis 2002. Bereits 1997 hatte sie sich von mir getrennt, weil sie mit meinen Eigenheiten, insbesondere meiner beruflichen Unbeständigkeit, nicht mehr zurechtkam.
Danach lebten wir getrennt, hatten aber weiterhin Kontakt. Wir trafen uns gelegentlich zum Kaffee oder zum Essen am Sonntag. Sie konnte übrigens hervorragend kochen 😉
