Mein Arbeitsleben – Wendezeit

Nach der Wende habe ich keinen Halt mehr gefunden. Unser Betrieb wurde vom Alteigentümer (Herrn Ostmeier), der aus dem „goldenen Westen“ kam, eingefordert und von der Treuhand für eine obligatorische Mark „verkauft“. Die Elmet hieß dann nicht mehr VEB (Volkseigener Betrieb), sondern EEP Elmet GmbH. Bis zur Wende wurden hier verschiedene Teile produziert, meist nur Zulieferteile. Aber wir produzierten auch den „Ladefix“ ein Batterieladegerät.

Irgendwann kam es dann zur Kurzarbeit und es wurde ein Sozialplan aufgestellt, um keinen in die Arbeitslosigkeit zu verlieren, hieß es jedenfalls. Irgendwelche Auffanggesellschaften wurden gegründet, vorwiegend waren das Firmen, in denen man uns eine Umschulung anbot. Meine Kündigung erhielt ich am 25.09.1991 zum 31.12.1991. Der Betrieb wurde stillgelegt, um einen Konkurs abzuwenden.

Nun musste ich wieder mit Menschen lernen, die ich nicht kannte. Ich habe 1991 eine Umschulung zum Klempner begonnen, ich war 24 Jahre alt. Wieder war ich ein Lehrling und wurde auch so behandelt, habe wieder versucht, alles so zu machen, wie man es mir aufgab. Manchmal gelang es mir, die gestellten Anforderungen zu meistern, vielfach aber nicht. Small Talk mit Kollegen habe ich versucht, es klappte nicht, außer bei einem Kollegen, Uwe, der mit mir zusammenarbeitete. Er nahm mich so, wie ich war, und hat mir eine Menge beigebracht. Wenn er im Urlaub war, hatte ich miserable Karten. Die anderen Kollegen sahen mich in der Hierarchie gaaaanz unten, und vor allem meine Schüchternheit hat wohl sehr dazu beigetragen, mich zu mobben. Das Schlimmste war, als Uwe sich verabschiedete und in den „goldenen“ Westen abwanderte: Ich war allein. Ihr wisst, was jetzt kommt: Ich konnte mit den anderen nicht zusammenarbeiten, bekam nachts Magenkrämpfe und ließ mich wieder krankschreiben.

Ich zog dann irgendwann nach Schleusingen zu meiner damaligen Freundin in eine 1,5-Zimmer-Wohnung. Dort suchte ich auch Arbeit und fand diese, dachte ich jedenfalls, bei einer Firma, mit dem Namen Vercammen Vieh & Fleischhandel GmbH, als Produktionshelfer für 11,81DM/Std.. Den Arbeitsvertrag habe ich am 12.10.1992 unterschrieben, mit der Vorgabe, am darauffolgenden Montag um 7 Uhr am Arbeitsplatz zu sein. Es waren ca. 20 Leute außer mir am Montag dort, alle warteten auf den Chef, Herrn Walter Wigger von der Firma Schlemmerkönig. Um 10 Uhr hieß es, er würde sich verspäten, 13 Uhr war immer noch niemand da, es kam auch niemand mehr. Wie sich später herausstellte, kassierte er nur Fördermittel ab und verschwand.