Angefangen hat diese Episode am 01. Juni 2016 offiziell, über eine Zeitarbeitsfirma habe ich aber schon am 14.05.2014 dort angefangen.
Es war ein guter Job im kaufmännischen Bereich, für mich eine Umstellung nach der Callcentererfahrung bei Hutchison.
Ich wollte einfach etwas anderes machen, als immer nur im Callcenter zu arbeiten. Über die Zeitarbeitsfirma hatte ich die Stelle entdeckt: „Kaufmännischer Mitarbeiter gesucht“. Habe dort angerufen und schon hatte ich ein Vorstellungsgespräch bei der Firma SAS. Anwesend waren der Geschäftsstellenleiter Herr M.K. und die Chefin fürs Büro Frau D.C.. Das Gespräch erstreckte sich von den Anfängen der Firma bis hin zu der Arbeit, welche ich machen sollte.
Nach ca. 2 Stunden war das Gespräch beendet, davon waren eineinhalb Stunden ein reines In-den-Himmel-heben der Firma. Da hätte es mir schon ein erstes Mal auffallen müssen, worum es überhaupt geht. Leider war ich zu naiv, oder nein, ich wollte aus dem Callcenter weg, das war der Grund.
Nach ca. 3 Tagen bekam ich einen Anruf der Zeitarbeitsfirma mit der Zusage. Ich war am 14.05.2014 pünktlich um dreiviertel acht im SAS Kabelservicebüro in der Schillerstraße 62 in Erfurt. Mit mir zusammen hat noch eine junge Frau angefangen. Am Anfang wurden wir noch auf dies und das, Arbeitsschutz, Datenschutz etc. hingewiesen. Es waren zwei getrennte Räume, in denen wir arbeiten sollten. Ein einzelnes Büro mit einem Arbeitsplatz und dann noch am Eingang der Büroräume, eine Art Empfang. Wir konnten uns aussuchen, wer wohin geht. Ich nahm das Büro mit dem einen Arbeitsplatz, was mir auch im Nachhinein guttat.
Es gab eine Menge Input, wir mussten uns vieles selbst aneignen. Der erste Tag war also Stress pur, die neue Kollegin hatte schon bald die Nase voll und meinte zu mir, dass es nicht so der Job ist, den sie machen möchte. Sie kam am folgenden Tag nicht mehr. Sie war auch weitaus jünger als ich, sie findet einen neuen Job.
Ich blieb und habe bis zum 30.06.2017 dort ausgehalten. Es kamen und gingen in dieser Zeit mindestens 30 Leute. Manche waren nur zum Vorstellungsgespräch da, andere machten die Arbeit 2 Wochen, wieder andere blieben ein halbes Jahr. Alle kamen über Zeitarbeitsfirmen mit der Option der späteren Übernahme. Die meisten kamen nicht klar mit der Mentalität des Chefs. Andere hatten den gleichen Vornamen wie er (Mandy) und durften dadurch nicht anfangen.
Für mich stellte sich viel zu spät heraus, dass er ein Narzisst war und nur seine Meinung zählte. Schon am Anfang sagte er uns Neuen immer: „Ich habe immer recht!“.
Ich möchte auch ein paar gute Dinge an ihm lassen: Er war intelligent, er hatte und hat sicher noch große geistige Fähigkeiten. Er kann eine Firma vollständig aufbauen und im großen Stil erweitern. Die Umsätze stiegen jedes Jahr. Die Firma ist ein Komplexdienstleister für Kabel Deutschland, jetzt Vodafone. Also SAS verlegt die Kabel in der Erde (Tiefbau), schließt die Dosen an und richtet das Modem/den Router ein. Und das letzte Jahr, bevor ich gekündigt habe, musste der Techniker dem Kunden noch einen Vertrag an die „Wange“ heften, um nicht vom Chef heruntergemacht zu werden. Dabei ging es nur um die Provision, also wie überall Kohle, Kohle, Kohle. Die Vorgaben kamen natürlich vom Anbieter Vodafone. Beim Nichterreichen musste die SAS Strafe zahlen.
Mein Verhältnis zum Chef war bis zum Dezember 2016 bestens, er zeigte mir viele Dinge, die das Arbeiten erleichterten, und redete auch über persönliche Dinge. Da denke ich aber jetzt etwas anders drüber, es war Berechnung. Er wusste genau, was er erzählt und was nicht. Als meine Mutter 2015 im Krankenhaus in Eisleben lag, durfte ich gelegentlich mal etwas eher Feierabend machen, um die ca. eine Stunde dorthin zu fahren. Die Zeiten musste ich natürlich wieder reinarbeiten.
Wie schon erwähnt: Er war und ist ein berechnender Narzisst. Und da kommt dann mein Gendefekt in den Vordergrund, obwohl ich ja bis zum 14.05.2018 nichts von eben diesem wusste.
Es kommt, wie es kommen musste, wie es immer kam, egal in welcher Firma ich arbeitete. Ich konnte seine Stimmung, seine Emotionen nicht richtig deuten. Grund war, dass im Dezember grundsätzlich Urlaubsverbot war, wegen der Abrechnungen. Ich hatte ein privates Anliegen: Mein Vati ist am 03.12. verstorben und ich musste einiges regeln.
Ich versuchte an den Nachmittagen, alles auf die Reihe zu bekommen. Da meine Eltern ca. 120 km von meiner Arbeitsstelle wohnten, ging dies mehr schlecht als recht. Ich bat meinen AG um ein oder zwei Tage Urlaub.
Ab dem Zeitpunkt war er ein anderer Mensch, keinen guten Morgen, nur noch über Mail und Telefon wurde kommuniziert. Nach und nach wurden mir Aufgaben entzogen und zum Schluss musste ich nur noch telefonieren, also wieder ein Callcenteragent.
Ich habe mich aber auch nicht getraut, zu ihm zu gehen und ihm alles zu erklären. Das fehlende Testosteron hat mich wahrscheinlich gehindert.
Ich habe dann zum 30.06.2017 gekündigt und dann erfahren, dass ich mich doch hätte krankschreiben lassen sollen, statt Urlaub zu beantragen. Da wäre Mandy mir nicht böse gewesen, aber einen Tag Urlaub zu nehmen, geht gar nicht, innerhalb der Urlaubssperre.
Nachdem ich dort weg bin, kommen immer wieder Leute, die mal länger oder auch nur einen Tag dort bleiben. Ich glaube, man muss eine Art Fetisch haben, um dort zu arbeiten. Eine ehemalige Kollegin, Frau H., hat mal 2 Jahre keinen Urlaub genommen, diesen sich lieber als Bonuszahlungen in Form von Geschenken (Fernseher, Musikanlage usw.) geben lassen.
Resümee:
Die Arbeit hat mir gefallen, es gab immer Abwechslung, sei es von den immer wieder neuen Mitarbeitern oder auch von der Aufgabenstellung. Meiner, durch das Klinefelter-Syndrom geschuldeten schlechten Merkfähigkeit, bin ich entkommen, indem ich mir alle Arbeitsschritte detailgetreu aufgeschrieben habe bzw. Screenshots gemacht und diese in einigen Excel-Tabellenblättern hinterlegt habe. Die Emotionen meiner Kollegen und meines Chefs konnte ich leider nie richtig deuten. Dies führte dann zur Aufgabe meines Arbeitsverhältnisses.
