Bewusst das ich irgendwie anders bin, als andere Männer, ist es mir seit Jahren schon. Aber über eine Möglichkeit, dass daran ein Gendefekt Schuld sein könnte, habe ich nie nachgedacht. Sicher auch, weil ich es nicht wusste.
Seit 2011 weiß ich das ich eine Hodenatrophie beidseitig habe und auch einen Testosteronmangel dadurch. Dies ist diagnostiziert worden, weil meine Frau und ich ein Kind haben wollten und es nie geklappt hat. Wir waren schon einige Zeit zusammen und wie man als Mann so ist, habe ich nie gedacht, dass es an mir liegt.
Zu dem Zeitpunkt hat niemand über einen Genfehler nachgedacht. Mir wurde dann (Nebido 1000 ml) alle 3 Monate ins Gesäß gespritzt in der Hoffnung es würde mir damit besser gehen. Obwohl ich damals nicht gewusst habe, dass es mir schlecht geht. Das letzte Mal habe ich Nebido im September 2012 bekommen. Danach war ich so seltsam aggressiv drauf, dass wir beide, meine Frau und ich uns sagten, dass es das nicht bringt, und ich habe es, ohne den Arzt in Kenntnis zu setzen, einfach abgesetzt bzw. bin erst mal nicht wieder hin.
In der Zeit danach habe ich wieder einige Arbeitsstellen gehabt, diese wie immer nicht lange. Ich dachte immer noch, dass ich einfach nicht hart genug zu mir selbst war. Ich konnte dies aber nicht ändern. Versuche, die gestellten Aufgaben auf der Arbeit zu bewältigen, habe ich unternommen. Ich habe mir alles aufgeschrieben, bis ins kleinste Detail.
Es ist aber sehr schwer, wenn man in einem Callcenter angestellt ist und es kommen die unterschiedlichsten Fragen, gleich die passende Antwort zu finden. Dann hatte ich auch noch das Problem, dass ich immer gedacht habe, meine rechten und linken Teammitglieder hören mir zu und entdecken Fehler, wenn ich mit einem Kunden gesprochen habe. Sicher war dies nicht so, aber für mich als KSler mit ADS eine immer schwieriger werdende Zeit und die kostete mir dann immer mal wieder die Arbeitsstelle, weil ich einfach nicht mehr konnte und mich krankschreiben lassen habe.
Da ich das alles nicht mehr konnte (nervlich) und wollte, habe ich mich im Internet mit verschiedenen Symptomen meiner Ängste befasst. Ich hatte dann einige Artikel über auch über verschiedene Phobien gelesen, z.B. Ergophobie.
Ergophobie kurz erklärt…Angst vor der Arbeit. Die Angst vor der Arbeit macht sich auch psychisch bemerkbar, etwa durch Unruhezustände, Konzentrationsschwierigkeiten und Schlafstörungen. Und genau das hatte ich ja, ich wurde zwar nicht gemobbt, hatte aber Angst, mit schwierigen Kunden zu telefonieren. Mit diesem Problem bin ich dann zu meinem Hausarzt, der meinte, ich solle mir einen Psychologen suchen. Ich dachte nichts einfacher als das, das Telefonbuch war voll mit denen, nein ein Therapieplatz bekommt man nicht so schnell wurde ich gedämpft, Wartezeit ein bis eineinhalb Jahre. Ich kam auf die Liste und irgendwann ist jemand abgesprungen und ich hatte eine Psychologin.
Nach einigen Therapiesitzungen und kaum merklichen Erfolg in Bezug auf meine seelischen Symptome habe ich das Ganze abgebrochen. Ich habe mich wieder ins Netz zurückgezogen und bin auf eine Seite mit dem Klinefelter Syndrom gestoßen. Diese Ausführungen dort waren für mich sehr aufschlussreich. Ich habe die körperlichen Fakten bei mir überprüft und bin zu dem Schluss gekommen, es könnte ein Gendefekt sein.
Daraufhin habe ich mir eine Humangenetikerin in Erfurt gesucht und der Rest ist bekannt bzw. steht hier auf meiner Seite bzw. in den Beiträgen.
