Testosteron

Testosteronmangel beeinträchtigt psychische Gesundheit

Dass das Sexualhormon Testosteron auch zahlreiche Auswirkungen auf die männliche Psyche hat, war bisher wenig bekannt. Dabei kann sich männlicher Hypogonadismus in Symptomen wie Niedergeschlagenheit oder Schlafstörungen bis hin zu einer Depression manifestieren.

Auf körperlicher Ebene ist Testosteron beim Mann unter anderem für den Erhalt der Muskelstärke und die penible Erektion verantwortlich. Kommt es zu einem symptomatischen Testosteronmangel, also einem männlichen Hypogonadismus, kann sich dies in typischen Symptomen wie Libidomangel, reduzierter sexueller Aktivität oder Dysfunktion sowie in einer Abnahme der Muskelmasse oder einer Zunahme des viszeralen Fettgewebes äußern. Aber auch für die psychische Gesundheit des Mannes spielt Testosteron eine entscheidende Rolle. Zum einen ist das Hormon wichtig, um das psychische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, das als positive Stimmung und allgemein gute Lebensqualität wahrgenommen wird; zum anderen steigert Testosteron auch die Motivation und die Fähigkeit eines Individuums, sozialen Status zu erlangen und zu verteidigen.

Generelle Motivation und Streben nach sozialem Status

Häufig wurden die von Testosteron geförderten Verhaltensmuster unter dem Konzept „Dominanzverhalten“ zusammengefasst. Heute weiß man, dass sie aber deutlich differenzierter zu betrachten sind. So äußert sich ein höherer Testosteronspiegel beispielsweise im verlängerten direkten Ansehen des Gegenübers, einem erhöhten Redeanteil im ­Gespräch oder in einer selbstbewussten Körperhaltung.

In welchem Verhaltensmuster sich ein höherer Testosteronspiegel äußert, hängt auch maßgeblich von der Persönlichkeitsstruktur bzw. von der „Selbstauffassung“ des Individuums ab. Das psychologische Konzept der Selbstauffassung (self construal) bildet die Grundlage für Wettbewerbsverhalten, sozialen Status, Risikoakzeptanz und Selbstwertgefühl. So zeigten in einer Studie mit 400 teilnehmenden Männern mit pharmakologisch erhöhtem Testosteronspiegel und unabhängiger Selbstauffassung (der Fokus liegt auf der Abgrenzung von sich selbst zu anderen) weniger Kooperations-, gleichzeitig aber mehr Risikobereitschaft. Mit Testosteron behandelte Männer mit einer „interdependenten Selbstauffassung“ (hier liegt der Fokus auf der Beziehung zu anderen) versuchten dagegen eher zu kooperieren, um Hilfe zu erlangen.

Die klinische Evidenz zum Zusammenhang von ­Testosteron und Psyche ist zwar noch unvollständig, doch die bisherigen Daten machen deutlich, dass Testosteron bei Männern sowohl die Psyche als auch psychovegetative Funktionen stark beeinflussen kann. Leidet ein Mann unter Hypogonadismus, kann sich dies entsprechend negativ auf ­psychische Parameter auswirken. So kann es zu Stimmungsschwankungen und Reizbarkeit, Erschöpfung, Antriebslosigkeit und Müdigkeit, zu Schlafstörungen, einer Minderung der kognitiven Funktion oder auch zu Ängstlichkeit und Depression kommen. Die belastenden Symptome können die Lebensqualität der Betroffenen stark einschränken.

Da mein Körper nur sehr wenig Testosteron hergestellt hat bzw. eigenständig herstellt und ich dies leider erst 2018 inklusive der Zusammenhänge mit dem Klinefelter-Syndrom erfahren habe, bin ich fast mein gesamtes Leben durch den Alltag gestolpert. Das Schlimmste war dabei immer zu denken, ich sei nicht normal. Diese Einstellung vermittelten mir aber auch sehr viele Menschen, die mir am Herzen lagen. Selbst meine Mutter meinte immer, ich solle doch die Zähne zusammenbeißen und die Pobacken zusammenkneifen, wenn ich mal wieder Angst hatte, zur Arbeit zu gehen. Bedauerlicherweise ist meine Mutter 2015 verstorben, ich konnte ihr daher nicht den Zusammenhang mit meinem Wesen und meinem Handeln erklären.

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Avatar von Unbekannt

Klinefelterpsyche

Unbewusst des Gendefektes durch das Leben gestolpert. Gedacht, man ist nicht normal. Von allen Seiten gehört, man wäre nicht normal. Und trotzdem immer weitergemacht. Erst mit 51 Jahren erfahren, dass ich das Klinefelter-Syndrom (Mosaikform) habe. Jetzt weiß ich, warum ich so bin, wie ich bin, so handele, wie ich handele, meine Beziehungen so sind, wie sie sind. Ich bin nicht unnormal, ich bin einfach nur anders.

2 Kommentare zu „Testosteron“

  1. Öhm, … wir sind nicht normal! Wir sind anders, was das System aber lange Zeit nicht begriffen hat und es in Teilen auch noch immer nicht tut. Es gibt inzwischen zwar Neurodivergenz und Neurodiversität, aber das ist nur ein Teilaspekt von vielen Dingen.

    Alexender Prinz bei YT hat vor einiger Zeit in seinem Video zu ADHS erwähnt (was ich sehr wichtig halte) das es eben Komorbidität gibt. Natürlich gibt es die bei uns. Wir sind seit der Zeugung so und haben alle unsere traumatischen Erlebnisse gehabt, weil der menschliche Instinkt von uns versucht wie die anderen zu sein. Was wir aber in der Form nicht sein können. Weil wir nicht normal sind.

    Genau genommen sind wir eine Minderheit und Minderheiten werden aufgrund von instinktiven psychologischem Verhalten ausgegrenzt. Das ist nicht schön, aber durch und durch menschlich.

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