Seit knapp über einem halben Jahr bin ich in einer Behörde angestellt. Leider ist es nur eine befristete Stelle, diese wurde zwar schon einmal verlängert aber all zu große Hoffnung auf eine weitere Verlängerung habe ich leider nicht. Kurz sie geht bis zum 31.12.2021.
Meine Arbeit macht mir sehr viel Spaß, auch wenn neue Themen dazu kommen. Es dauert bei mir nur einige Zeit länger mich in diese einzuarbeiten. Wobei ich schon mal ein Manko sehe für eine Verlängerung. Die Arbeit an sich, ich muss mit Zahlen umgehen und Rechnungen aufstellen, verlangt mir einiges ab.
Manchmal habe ich das Gefühl, es geht nicht weiter, ich bleibe auf der Stelle. Hinwerfen will ich nicht, endlich etwas mehr Geld als die typischen Almosen hier im Osten.
Die Arbeit im Büro passt, wenn da nicht immer mal wieder ein „Massenauflauf“ wäre. Ich habe einen Kollegen, nennen wir Ihn mal „Basti“ der ist der Hans Dampf in allen Gassen. Er ist mit jedem Freund und kommt mit allen klar und genau deshalb kommen auch alle zu ihm, mal um fachliche Themen zu analysieren, mal um rauchen zu gehen oder auch um einfach mal ein Schwätzchen zu machen. Es sind nicht nur mal 5 Minuten am Tag die so ausgefüllt sind, nein, es ist der gesamte Arbeitstag.
Für mich ist das die „Hölle“, ich werde von solchen Sachen regelrecht zermartert, meine Gedanken die sich eigentlich um meinen Fall kümmern sollten sind dann plötzlich bei den Dingen die sich vor mir im Büro abspielen. Ich versuche mich auf meine Arbeit zu konzentrieren indem ich nun schon einen Mp3 Player nutze, selbst das bringt kaum etwas. Am liebsten würde ich in einem Büro arbeiten, völlig abgeschirmt von anderen Menschen. Ich will doch meine Arbeit machen und nicht wissen was, wann, wo passiert ist. Und wenn ich das wissen möchte, dann in einem begrenzten Rahmen. Solange „Basti“ nicht im Büro ist, er kommt meist immer erst gegen 10:30 Uhr, kann ich arbeiten ohne Probleme.
Ich verstehe mich mit ihm, keine Frage, nur er versteht mich nicht. Ich habe allen in meinem Büro von meinem Klinefelter erzählt und auch die berühmten Flyer verteilt, damit jeder weiß wie man mit dem Klinefelter Syndrom tickt. Er hat sie sich hingelegt und mir nur gesagt, er wird sie lesen. Das ist jetzt ca. 5 Monate her, sie liegen noch so. Ich frage mich auch wann er die lesen will, bei der beschränkten Zeit die er hat. 🙂
Ich denke mal es ist auch unserer Gesellschaft geschuldet, keiner interessiert sich wirklich für den anderen. Wenn man sich abgrenzt und nicht mit der Masse mit schwimmt, hat man kaum eine Chance in der Gesellschaft akzeptiert zu werden.
Genug von „Basti“ weiter gehts, wie oben schon erwähnt sind wir alle nur befristet eingestellt. Daher versuchen viele von uns sich auf interne Stellenausschreibungen zu bewerben, auch ich. Ich habe bisher auf 3 Stellenausschreibungen je eine Bewerbung abgegeben. Die erste Stelle war denke ich schon von vornherein vergeben, die zweite Stelle war nicht ganz so mein Fall aber ich dachte erstmal eine unbefristete Stelle haben dann sieht man weiter. Bei der dritten Stelle, habe ich echt gehofft ich bekomme diese, es wäre zwar eine Gehaltsstufe unter der jetzigen aber die Beschreibung der Stelle hat mich sehr angesprochen. Auch im Vorstellungsgespräch, per Skype, war ich mir sicher eine Chance zu haben. Leider kam am Donnerstag 08.07.2021 die Absage.
In der Zwischenzeit habe ich mir mal so meine Gedanken gemacht, wer Einfluss hat auf die Stellenvergabe. Da ist mir sofort mein Teamleiter eingefallen. Ich habe so das Gefühl, dass er mich überhaupt nicht wahr nimmt. Letztens stand er mit uns vor der Tür und sagte etwas über die Stellenausschreibung für die oben erwähnte Stelle und warum sich keiner beworben hätte, ich hatte mich ja beworben. Mh.
Ich bin jetzt 54 Jahre und fühle mich wie 30 im Kopf. Ist es vielleicht das was viele Menschen nicht akzeptieren können oder wollen. Muß man mit 54 so denken wie man es von einem über 50 jährigen erwartet?
Update 07.03.2022
Da die Coronna Pandemie noch nicht vorbei ist wurden wir bis zum 02.12.2022 verlängert. Also bin ich noch einige Monate abgesichert.
Aber dann ist leider Schluss, da man ja bekanntlich nur 2 Jahre befristet eingestellt werden kann wenn kein Sachgrund vorliegt.
Es hat sich einiges geändert. Erstens machen wir jetzt Prüfungen der Leistungsbezüge KuG. Für mich um einiges schwerer, da mein Verständnis für Lohnberechnungen schon immer schlecht war. Leichte und nicht sehr komplexe Sachen bekomme ich mit ach und Krach noch hin. Aber oft bin ich am Verzweifeln und würde am liebsten das Ganze hinwerfen.
Zweitens hatte ich bei der Schwerbehindertenvertretung nach einem Büro gefragt, welches nicht so sehr frequentiert ist. Es wurde mir eins in Aussicht gestellt. Angefragt hatte ich im September, seit 6 Wochen habe ich ein Büro, welches einen Arbeitsplatz hat und ich mir mit einer Mitarbeiterin teilen muss. Ich bin schwer begeistert, denn die Mitarbeiterin hat zu Hause keinen PC und muss den Laptop von Teamleiter mitnehmen, dies geht aber nur Freitag. Also habe ich ein ruhiges Büro am Freitag, ansonsten Home-Office, jippie.
Gerade Menschen wie ich, denen man die Behinderung nicht ansieht, haben es schwer richtig zu interagieren. Ich habe das Gefühl, dass mein Teamleiter sich übergangen fühlte , da ich nicht ihn als ersten Kontakt angesprochen habe. Sein Ego wurde verletzt und nun habe ich darunter zu leiden.
Update 14.01.2023
Es ist vollbracht, ich bin mal wieder auf der Suche nach der Erfüllung in meinem Arbeitsleben. Mein TL hat sich nicht für mich stark gemacht sondern für die jungen Frauen im Team, diese wurden alle ein halbes Jahr über den Sachgrund Corona verlängert. Im nachhinein bin ich froh dort weg zu sein, Vetternwirtschaft ist nichts dagegen 🙂
